(Bild: University of Massachusetts, Amherst)

Traumatische Erlebnisse bleiben deutlich stärker im Gedächtnis haften, wenn man danach schläft.

Der Rat “Schlaf mal drüber” ist zumindest bei schlimmen Erlebnissen eher kontraproduktiv. Denn entgegen bisheriger Vermutungen verankern sich traumatische Erlebnisse deutlich stärker im Gedächtnis, wenn man danach schläft. Bleibt man wach, ist die Erinnerung daran weniger negativ, sagen amerikanische Wissenschaftler.

“Schlaf erst einmal drüber – morgen sieht die Welt schon ganz anders aus!” Nach den Forschungsergebnissen von Bengi Baran und Rebecca Spencer von der University of Massachusetts in Amherst und ihrem Team gehört dieser Satz zu den Irrtümern der Menschheit. Den Neurologen zufolge werden die Gefühle, die ein Mensch bei negativen Erlebnissen hat, stärker an seine Erinnerungen geknüpft, wenn er kurz darauf zu Bett geht.

Die Wissenschaftler hatten 68 gesunden Frauen und 38 Männern im Alter zwischen 18 und 30 Jahren Bilder vorgelegt, die verschiedene Situationen zeigten. Die Probanden bewerteten die insgesamt 60 Abbildungen nach ihrem emotionalen Wert anhand einer Skala von 1 bis 9, wobei 1 traurig bedeutete und 9 fröhlich, beziehungsweise ruhig und erregt. Nach zwölf Stunden bekamen sie einen Teil der Bilder – gemischt mit neuen Motiven – wieder zu sehen. Die Probanden sollten nun angeben, ob sie die Bilder bereits kannten und sie erneut bewerten.

Nach dem Schlaf blieb die negative Bewertung

34 der Teilnehmer bekamen die Bilder morgens und am gleichen Tag abends gezeigt. Im Schnitt bewertete diese Gruppe die bereits bekannten Bilder positiver als beim ersten Betrachten. Die anderen 82 Probanden dagegen sahen sich die Bilder abends und am darauf folgenden Morgen an, schliefen also, bevor sie die Bilder ein zweites Mal betrachteten. Sie empfanden die bekannten Bilder durchschnittlich als genauso negativ wie beim ersten Betrachten.

“Wenn wir also etwas Verstörendes sehen, zum Beispiel einen Autounfall, und erinnern uns daran oder sollen ein Bild zu dieser Szene ansehen, reagieren wir viel weniger emotional, wenn wir nach dem Erlebnis noch eine Weile wach waren”, schlussfolgert Rebecca Spencer. “Schlaf konserviert anscheinend die emotionale Intensität einer Erfahrung genauso wie die Erinnerung selbst.”

Sinnvoll aus evolutionärer Sicht

Aus evolutionärer Sicht könnte das durchaus Sinn ergeben: Indem angsteinflößende Erlebnisse dem Gedächtnis präsenter bleiben, konnten ähnliche negative Situationen vermieden werden und so im Zweifel das Überleben retten, vermuten die Forscher.

“Heute hat dieser Aspekt beispielsweise eine Bedeutung für Menschen, die an post-traumatischen Belastungsstörungen leiden oder für Augenzeugen, die sich in Gerichtsverhandlungen ihren Erinnerungen stellen müssen”, erklärt Rebecca Spencer.

Die Ergebnisse des Forscherteams stützen kürzlich veröffentlichte Studien anderer Wissenschaftler. „Wir sind allerdings die ersten, die einen direkten Zusammenhang zwischen der Speicherung von Emotionen und Schlaf herstellen konnten“, schreiben Spencer und ihr Team.

Originalmeldung: University of Massachusetts, Amherst

Quelle: wissenschaft.de

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