“Ich hatte gesagt, dass wir nach rechts abbiegen müssen… Nein, das hab doch ich gesagt!” Wen hier seine Erinnerung vermutlich eher täuscht, könnten Wissenschaftler künftig anhand eines Hirnscans überprüfen: Laut einem britischen Forscherteam ist für das Erinnerungsvermögen die Struktur einer speziellen Hirnregion verantwortlich. Je größer sie ausgebildet ist, desto genauer kann sich die betreffende Person erinnern, wer wann was gesagt hat, so die Ergebnisse einer experimentellen Studie von Forschern um Jon Simons von der Universität in Cambridge.

Nur etwa 50 Prozent der Menschen haben im frontalen Gehirnbereich Paracingulate Sulcus (PCS) eine zusätzliche Gehirnfalte. Sie entwickelt sich erst kurz vor der Geburt und ist in ihrer Größe sehr unterschiedlich ausgebildet. Anhand von Hirnscans wählte das Team um Jon Simons nun 53 Probanden aus, deren Gehirne diese Struktur in der linken oder rechten Gehirnhälfte deutlich aufwiesen beziehungsweise klar nicht aufwiesen.

Die Forscher legten allen Studienteilnehmern bekannte Wortpaare wie “Laurel und Hardy” oder nur das erste Wort und anstatt dem zweiten Teil ein Fragezeichen (“Laurel und …?”) vor. War das zweite Wort nicht vorhanden, sollten die Probanden es in Gedanken ersetzen. Anschließend sollte entweder der Studienteilnehmer selbst oder der Studienleiter das vollständige Wortpaar aussprechen. Nach einer Pause wurden die Probanden befragt, welche Wortpaare vollständig waren und welche von ihnen selbst beziehungsweise dem Studienleiter gelesen worden waren.

Alle Probanden schätzten ihr Gedächtnis selbst als gut ein

Diejenigen, deren Gehirn die zusätzliche Struktur nicht aufwies, schnitten dabei deutlich schlechter ab, ergab die Auswertung der Experimente. Sie scheinen sich über dieses Defizit allerdings nicht bewusst zu sein: Trotz der Diskrepanzen schätzen alle Probanden ihr Gedächtnis selbst als gut ein. “Obwohl alle Teilnehmer geistig gesund waren, etwa das gleiche Bildungsniveau hatten und keinerlei kognitive Schwierigkeiten aufwiesen, waren die Unterschiede der Gedächtnisleistung deutlich”, fasst Jon Simons das Ergebnis zusammen. “Es ist aufregend, dass für diese individuellen Unterschiede vermutlich eine kleine Gehirnfalte verantwortlich ist.”

PCS ist bei schizophrenen Menschen weniger ausgebildet

Die Bedeutung des PCS ist bereits aus der Schizophrenie-Forschung bekannt: Studien haben ergeben, dass der PCS bei schizophrenen Menschen weniger ausgebildet ist. Mit der Krankheit gehen oft Halluzinationen, beispielsweise in Form von nicht existierenden Stimmen, einher. Die Patienten halten diese Halluzinationen aber für wahr.

“Die Vermutung liegt nahe, dass diese strukturelle Abweichung direkt die Funktionsweise der umgebenden Hirnareale und kognitiven Fähigkeiten beeinflusst”, so Simons. Die Erkenntnisse könnten somit auch helfen, Schizophrenie besser zu verstehen und gegebenenfalls entsprechend zu behandeln.

Originalmeldung: “Keeping track of reality”

Quelle: wissenschaft.de

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